Vita
Paula Lynn Breuer (*1999, Düsseldorf) ist Nachwuchsregisseurin.
Ihre Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Sprechtheater, Choreografie und Ritual. Dabei sind die Begegnung mit dem Tod sowie das menschliche Ringen mit der eigenen Endlichkeit Triebfeder ihrer Arbeiten.Paula Lynn Breuer studierte Theaterregie an der Zürcher Hochschule der Künste. Was ihr dank der Förderung durch das Begabtenförderungswerk auch finanziell möglich wurde.
Bereits vor ihrem Studium begann Breuer 2017 zunächst im Rahmen eines Praktikums als Regisseurin und Schauspielerin am Nationaltheater Sibiu und am Staatstheater Temeswar in Rumänien zu arbeiten und hospitierte bei verschiedenen Tanzkompanien, darunter der Batsheva Company in Tel Aviv. Für ihre Inszenierung V.I.P. – Very Isolated Person in Kooperation mit der Kunstgalerie META Spatiu und dem Staatstheater Temeswar wurde sie 2020 für den Theaterpreis UNITER nominiert. Reisen durch Europa und Asien erweiterten in dieser Zeit ihre Perspektive auf unterschiedliche Theaterkulturen und -theorien – Einflüsse, die bis heute ihre Arbeit prägen.
Während ihres Studiums realisierte sie u. a. die Inszenierung TO TELL A STORY IS AN ACT OF LOVE (2023), die zum Körber Studio Junge Regie eingeladen und von Die Deutsche Bühne als „Glanzlicht des Abends“ hervorgehoben wurde.
Ihre noch während des Studiums entstandene Arbeit Der Weg zurück nach Dennis Kelly wurde auf die Shortlist des Schweizer Theatertreffens 2024 gewählt.
Im März 2025 diplomierte Breuer mit dem selbst entwickelten Stück Die Verhinderung der Distanz, in dem unter anderem sie und ihre Mutter performten und in dem die ästhetischen und moralischen Grenzgebiete des Reenactens von Erinnerungen ausgelotet werden. Die Arbeit wurde mit dem Förderpreis der ZHdK ausgezeichnet.Unmittelbar im Anschluss inszenierte sie im September 2025 mit Die Stille die Eröffnungspremiere am Theater Neumarkt Zürich, einen Abend, den die NZZ am Sonntag als „so schweren wie eindringlichen“ und als „mutigen Auftakt in die neue Saison“ beschrieb.
Paula Lynn Breuers Arbeitsweise verbindet einerseits präzise Schauspieler*innenführung, dramaturgische Spannungsbögen und figürliche Ansätze mit einer poetischen Logik, in der Raum, Sound, Text und Körper als autonome Ausdruckssysteme wirken. Paula Lynn Breuer entwickelte und entwickelt nach wie vor eine bezeichnende Theatersprache, die in naher Zusammenarbeit mit den Schauspielenden entsteht, Wahrnehmungsweisen provoziert und sich aus etablierten Zuschreibungen windet.
Sie untersucht klassische wie zeitgenössische Stoffe sowie eigene Stückentwicklungen mit und ohne Text konsequent auf ihr poetisches und emanzipatorisches Potenzial. Die physische Arbeit und ein Oszillieren zwischen intimer Unmittelbarkeit und symbolischer Verdichtung sind dabei bezeichnend.
Zudem ist für Paula Lynn Breuer Form im Zeitalter serieller Wahrnehmung ebenso politisch wie der Inhalt. Weshalb sie mit formalen Anhaltspunkten wie Dauer, Wiederholung, Explizität und dem Versuch, die Schwelle zwischen dem Profanen und dem Sakralen zu überwinden, das Alltägliche zu sakralisieren und das Sakrale in seiner Profanität zu entlarven, sowie dem Scheitern daran arbeitet.
